50 Jahre Werkfeuerwehr im Zeichen
der vier Ringe: Von der Auto Union zu AUDI

Josef Schweiger

Wenn man sich die Geschichte der Werkfeuerwehr der AUDI AG in Ingolstadt ansieht, dann blickt man auf eine Epoche von über 50 Jahren Industriebrandschutz zurück. Der Markenname Audi ist heute fest mit Ingolstadt verbunden und „Vorsprung durch Technik“ ist zum Markenzeichen der AUDI AG geworden. Ein Standort wie die heutige AUDI AG in Ingolstadt stellt natürlich einen unbezahlbaren Wert dar und bietet vielen Tausend Menschen Arbeitsplätze bei Audi direkt oder auch in der Dienstleistungs- und Zulieferindustrie. Kommt ein solches Werk durch ein großes Schadensereignis zum Stillstand, wie zum Beispiel durch einen Großbrand, so kann der Schaden ins Unermessliche gehen. Zum Schutz ihrer Mitarbeiter und der teuren Industrieanlagen unterhält Audi daher seit den Gründungsjahren in Ingolstadt eine eigene Werkfeuerwehr.

Werkfeuerwehren werden üblicherweise zum Schutz und für die Sicherheit von Industriebetrieben aufgestellt. Die Geschichte der Werkfeuerwehr Audi verläuft daher über einen langen Zeitraum parallel zur Geschichte der AUDI AG. Und die Wurzeln der heutigen AUDI AG reichen bis 1899 zurück, als der Unternehmer August Horch in Köln seine erste Werkstatt eröffnete. 1904 gründete er - dann in Zwickau - die August Horch Motorenwerke AG, fünf Jahre später nach einem Zerwürfnis, dessen Gründe nicht in allen Einzelheiten bekannt sind, das Unternehmen „Audi“ (die lateinische Übersetzung von „horch“). Zu dem noch heute gültigen Markenzeichen, den vier ineinander verschlungenen Ringe, kam es 1932, als sich die Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union zusammenschlossen. Der starke Rückgang der Automobilproduktion bedeutete 1945 das Aus am Standort Chemnitz.

In Ingolstadt wurde 1945 ein Ersatzteillager gegründet, während das Chemnitzer Werk durch russische Demontierungen sämtliche Fabrikationsanlagen verlor. 1948 lief die Eigenerzeugung von bestimmten Fahrzeugteilen an. In den alten Festungsanlagen „der Schanz“ begann die Fabrikation von Ersatzteilen, Motorrädern und Schnelllastern.

Montagehallen entstanden, verschiedene Fertigungsprogramme wurden aufgenommen. Dennoch war das Verhältnis Stadt–Unternehmen ungewiss: Von Verlegungsabsichten war die Rede. Tatsächlich wurde 1949 die Produktion von Personenkraftwagen in Düsseldorf aufgenommen und die Geschäftsleitung dorthin verlegt. 1958 aber erwarb die Daimler-Benz AG einen Großteil des Aktienkapitals. Unter ihrer Regie wurde ein neues, riesiges Werk an der Ettinger Straße konzipiert, wo die serienmäßige Herstellung des „DKWJunior“ vorgesehen war.

Die Geburtsstunde der Werkfeuerwehr Audi fällt in die Jahre 1956/57.

DKW-Schnelllaster-Fertigung rund um den ehemaligen Kornspeicher, an der Esplanade

Im Jahre 1956 erhielt die Feuerwehr der Auto Union mit dem Bescheid vom 30.11.1956 die Anerkennung als Werkfeuerwehr der Firma Auto Union GmbH, mit einemerforderlichen Bestand von 44 Feuerwehrleuten. Das war die theoretische Geburtsstunde der Werkfeuerwehr. „Die praktische Umsetzung begann im Mai 1957“, erinnert sich exakt 50 Jahre später der Zeitzeuge Albert Winterstein, ein Werkfeuerwehrmann der ersten Stunde. Untergebracht war die Werkfeuerwehr in einem Raum in der ehemaligen MG-Kaserne an der Esplanade. Schutzausrüstung und Uniformen gab es erst später.

Das erste „Feuerwehrfahrzeug“ war ein DKWSchnelllaster, den man sich aber mit dem Werkschutz teilen musste. Das führte oftmals zu Auseinandersetzungen, wer denn an einem bestimmten Tage das „Einsatzfahrzeug” benutzen durfte. Zuständiger Feuerwehrchef von der ersten Stunde an war Karl Zimmer, der auch Abteilungsleiter des Werksicherheitsdienstes war.

In die Gründungszeit der Werkfeuerwehr fällt dann auch der Umzug der Auto Union AG vom alten Werk, das in den ehemaligen Militäranlagen an der Esplanade untergebracht war, in das neue Werk an der Ettinger Straße.

Gründungszeit der Werkfeuerwehr, 1957 – noch ohne Uniformen! Im Hintergrund der DKW-Schnelllaster

1958 begann im neuen Werk die Produktion des DKW Junior. In einem amtlichen Schreiben von 1958 verlangte das Gewerbeaufsichtsamt zum Schutz der Auto Union, vor allem für die Anlagen der Lackiererei I und II, die mit ihren großen räumlichen Abmessungen eine erhebliche Brand- und Explosionsgefahr darstellten, dass während der Betriebszeit ständig zwei volle Löschgruppen vorhanden sein müssten. Ein Auszug aus dem betreffenden Schreiben: „Hierzu können als Werkfeuerwehrmänner ausgebildete Arbeitskräfte eingesetzt werden. (…) Durch regelmäßige Kontrollgänge der Werkfeuerwehr ist der ordnungsgemäße Zustand der Lackküche überwachen zu lassen“.

Das erste „Feuerwehrhaus“ der Werkfeuerwehr im neuen Werk waren Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Produktionshalle A1, die bis zum heutigen Zeitpunkt größte Halle der AUDI AG. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Auto-Union-Feuerwehr auch mit moderner Feuerwehrtechnik ausgestattet: Ein Tanklöschfahrzeug und ein wendiges Vorauslöschfahrzeug, das auf dem legendären DKW Munga Geländefahrzeug aufgebaut war, wurden zugeteilt.

Aufgrund massiver Erweiterungen der Auto Union im Jahre 1959 forderte auch die Bayerische Versicherungskammer als zuständige Brandversicherung in einem Schreiben vom 23. Juli 1959: „Für das gesamte Werk ist eine dem § 7 der Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 17. Mai 1946 entsprechende Werkfeuerwehr aufzustellen, deren personelle Besetzung , Geräteausstattung und Löschwasserversorgung den Anforderungen des Landesamtes für Feuerschutz, Außenstelle Oberbayern, München, Pündterplatz 5, entsprechen müssen.“ Auf diesen amtlichen und versicherungstechnischen Schreiben gründet auch die Existenz der Werkfeuerwehr der AUDI AG Ingolstadt.

Der Bescheid wurde in den Jahren 1972 und 2006 jeweils auf die neuesten Anforderungen des Werkes angepasst.

Parallel zur amtlichen Anordnung über die Aufstellung einer staatlich anerkannten Werkfeuerwehr wurde in den Bauanträgen für neue Industriehallen zur Automobilproduktion auch die Einrichtung von hochwertiger Löschtechnik in Form von Sprinkleranlagen, Brandmeldetechnik oder Rauch- und Wärmeabzugsanlagen gefordert. Die laufende Einrichtung und Unterhaltung von hochwertiger, stationärer Löschtechnik hat sich bis heute in Verbindung mit einer schlagkräftigen Werkfeuerwehr bewährt.

1961 wurde die PKW-Produktion von Düsseldorf zurückverlegt und Ingolstadt wieder zum Firmensitz bestimmt. Aus Düsseldorf kam auch der neue Leiter der Werkfeuerwehr, Alfred Blomeier.

Bis 1964 wurde das Gesellschaftskapital verdoppelt und zur Hälfte von der Volkswagen AG übernommen. Zwei Jahre später wurde die Auto Union zu nahezu 100 Prozent Tochter von Volkswagen.

Mit dabei von Anfang an:
Albert Winterstein am Steuer
des Feuerwehr-Munga

Erstes „richtiges“ Feuerlöschfahrzeug: MB TLF 16

Eigengewächs: Munga im Feuerwehr-Trimm

In das Jahr 1968 fiel dann der Umzug der Werkfeuerwehr in das neue Feuerwehrhaus, das als eigenes frei-stehendes Gebäude östlich von den Produktionshallen errichtet wurde. Dieses Feuerwehrhaus wurde in den folgenden Jahren mehrmals erweitert und ist bis heute die Unterkunft der Werkfeuerwehr Audi.

Hinweis auf den Großaktionär: Mercedes Benz 319 als Verstärkung der Werkfeuerwehr

Die Werkfeuerwehr bei der Abnahme des Leistungsabzeichens in den 60er Jahren

Die komplette Werkfeuerwehr angetreten mit ihrem neuen Leiter, Alfred Blomeier

Das neue Feuerwehrhaus mit dem Fuhrpark der Werkfeuerwehr Ende der 60er Jahre

1969 schloss sich die Auto Union GmbH mit den Neckarsulmer NSU Motorenwerken zur Audi NSU Auto UNION AG zusammen und hatte damit ein zweites Werk und seinen Sitz in Neckarsulm.

Im gleichen Jahr hatte die Werkfeuerwehr (WF) ihre bis dahin größte Bewährungsprobe zu bestehen. In einer dazu gekauften Industriehalle, der sogenannten Südmanufaktur, brach am 29. August 1969 um 09:18 Uhr ein Feuer aus. Bei der Brandbekämpfung wurde die Werkfeuerwehr durch die Freiwillige Feuerwehr (FF) Ingolstadt und die Freiwilligen Feuerwehren aus Unsernherrn und Ringsee unterstützt. Unter der Einsatzleitung von Rudolf Vierheilig, dem Kommandanten der FF Ingolstadt, wurde die Einsatzstelle in drei Einsatzabschnitte unterteilt. Während die nordöstliche Seite der Leiter der Werkfeuerwehr Auto Union, Alfred Blomeier, übernommen hatte, wurde dem stellvertretenden Kommandanten der FF, Georg Beckenbauer, der nordwestliche Abschnitt übertragen. Kommandant Vierheilig übernahm die gesamte Länge des südlichen Teils der Halle. Als weitere Verstärkungen wurden von der Einsatzleitung die Raffineriefeuerwehren von Eriag, Shell und Esso sowie die Flughafenfeuerwehr der E-Stelle in Manching alarmiert. Der massive Wasser- und Schaumeinsatz zeigte bald Wirkung und um 13:30 Uhr wurden die ersten Fahrzeuge von der Brandstelle wieder abgezogen. Gegen 16:00 Uhr rückte das letzte Fahrzeug der FF Ingolstadt von der Einsatzstelle ab, während die WF Auto Union weiterhin die Brandstelle absicherte. Eingesetzt waren bei diesem Brand, der Schaden in Millionenhöhe anrichtete, 160 Feuerwehrmänner mit 27 Fahrzeugen. In der Höchstphase des Einsatzes wurde das Großfeuer mit 45 Rohren, einschließlich Schaumrohren bekämpft.

Ein Großteil der Halle war trotzdem ein Totalverlust. Als abschließendes Fazit erklärte die Einsatzleitung: „Die Werkleitungen solcher Betriebe müssen sich über Folgendes im klaren sein: Wenn es aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich ist, kleine Brandabschnitte zu schaffen, muss bei einem Brand mit entsprechender Schadenshöhe gerechnet werden.“

Der Großbrand in der „Südmanufaktur“ blieb zum Glück der einzige und letzte Großbrand mit solch verheerenden Auswirkungen für den Automobil-Hersteller in Ingolstadt.

Der Großbrand in der „Südmanufaktur“, August 1969

1972 musste die Werkfeuerwehr der Audi NSU Auto Union AG wieder zu einem Großereignis ausrücken, das den massiven Einsatz aller Feuerwehrkräfte in Ingolstadt forderte: Am Donnerstag, 2. März 1972 um 21:51 Uhr, prallte ein Güterzug auf freier Strecke zwischen den Bahnhöfen Ingolstadt-Nord und Ingolstadt-Hauptbahnhof auf einen stehenden Kesselwagenzug auf. 9 Kesselwagen entgleisten und gingen in Flammen auf. Für einen unmittelbar am Bahndamm wohnenden Bundesbahnrentner und seine Ehefrau kam jede Hilfe zu spät. Auch der Lokführer des Güterzuges kam in den Flammen ums Leben.

Wenige Stunden nach dem Unglück nahm sich der Fahrdienstleiter, der für die Katastrophe verantwortlich war, das Leben. Insgesamt brannten an ausgelaufenen Raffinerieprodukten über 175 Tonnen Heizöl und Benzin.

Erneut unter der Einsatzleitung von Stadtbrandrat Rudolf Vierheilig kämpften neben den Freiwilligen Feuerwehren aus Ingolstadt, Ringsee, Unsernherrn und Haunwöhr auch noch die Werkfeuerwehren der Audi NSU Auto Union AG, der Eriag, der Shell, der Esso, der Messerschmittwerft Manching und der Flughafenfeuerwehr der E-Stelle der Bundeswehr. Gegen 24:00 Uhr war der Großbrand unter Kontrolle, gegen 02:00 Uhr rückten die ersten Löschkräfte von der Einsatzstelle ab.

Das Eisenbahnunglück vom 2. März 1972

Im amtlichen Änderungsbescheid für die Anerkennung der Werkfeuerwehr von 1972 findet sich auch eine Auflistung der Feuerwehrfahrzeuge wieder. Der Fuhrpark war durch die Entwicklungen und das Wachstum des Werkes inzwischen beträchtlich gewachsen. In der Fahrzeughalle befanden sich jetzt:

  • 1 TLF 16
  • 1 TSF-T
  • 3 Munga Vorauslöschfahrzeuge
  • 1 Schlauchwagen
  • 1 TroLF 750
  • 1 Transportfahrzeug

Die anwesende Wachschicht musste jetzt eine Sollstärke von 16 Mann rund um die Uhr betragen. Auf den Posten des Leiters der Werkfeuerwehr war inzwischen Werner Wittmann gerückt. 1973 wurde die Audi-60 bis Super-90-Serie durch den Audi 80 abgelöst, die 2. Audi-100-Generation erschien 1977. Mit dem Einstiegsmodell Audi 50 reagierte man auf die Ölkrise zu Beginn der 70er Jahre und rettete so nebenbei den VW-Konzern, der sich mit seiner Heckantrieb-Monokultur tief in die Krise gefahren hatte: Der Audi 50 wurde zum Polo und der Audi 80 wurde - mit Kombi-Heck versehen - zum Passat.

Auch bei der Werkfeuerwehr wurde der Fahrzeugbestand ständig angepasst. Als Löschfahrzeuge dienten jetzt ein LF 16 und ein TLF 16/25, beide auf einem Fahrgestell von Magirus-Deutz und einem Fahrzeugaufbau von Ziegler. Die DKW Mungas waren durch drei gleichwertige Iltis Geländefahrzeuge abgelöst worden. Neu hinzukamen auch ein Löschfahrzeug auf MB-Unimog- Basis und ein Atemschutzwagen.

Der Fuhrpark der Werkfeuerwehr Anfang der 80er Jahre

Die 80er Jahre brachten beträchtliche Veränderungen für Audi und auch für ihre Werkfeuerwehr. Audi stellt 1980 den Audi quattro vor. Eine Automobillegende begann. 1985 firmierte die Audi NSU Auto UNION AG um zur AUDI AG. Der Sitz der AUDI AG war nun wieder Ingolstadt.

Die Werkfeuerwehr fusionierte ab 1985 mit dem Werkschutz zur integrierten Werksicherheit. An die bestehende Feuerwache wurde 1987 eine neue Sicherheitszentrale angebaut. Die integrierte Sicherheitszentrale übernahm jetzt die Aufgaben der zwei bis dahin unabhängigen Einsatzzentralen von Feuerwehr und Werkschutz. Besetzt wurde die Sicherheitszentrale von Werkschutz und Werkfeuerwehrleuten, die aber eine Ausbildung für beide Berufsgruppen erhielten. Ein Konzept, das auch die Arbeitsplätze bei der Werksicherheit sicherte.

Die Werkfeuerwehr der AUDI AG hat in all den Jahren bis heute mit den Anforderungen des Werkes Schritt gehalten. Das Werk der AUDI AG in Ingolstadt ist heute eines der modernsten Automobilwerke auf der ganzen Welt. Weit über 30.000 Mitarbeiter arbeiten inzwischen bei der AUDI AG in Ingolstadt, weltweit über 55.000. Ingolstadt ist dabei nicht nur Automobilschmiede, sondern Hauptsitz der AUDI AG mit der Technischen Entwicklung.

Auch die Werkfeuerwehr musste mit der rasanten Entwicklung von der Auto Union GmbH zur AUDI AG Schritt halten. Sie ist heute eine moderne Spezialeinheit, bei der Technik, Ausbildung und Einsatztaktik ständig auf dem neuesten Stand sein müssen. Der Brandschutz bei der AUDI AG ist in den Bereichen des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes auf Spitzenniveau!

Die Fahrzeuge der AUDI-Werkfeuerwehr im Juni 2007

Der Fahrzeugpark der Werkfeuerwehr besteht heute, im Juni 2007 aus:

  • 1 Kommandowagen Audi A4
  • 1 Kommandowagen Audi A4 Avant
  • 1 HLF 24
  • 1 TLF 16/18
  • 1 Teleskopmastbühne TMK32
  • 4 Vorauslöschfahrzeuge VLF auf Basis VW T5
  • 1 LF 8 auf Basis MB Unimog
  • 1 Wechselladerfahrzeug mit Abrollbehälter Mobile Großventilation

Nicht auf dem Foto abgebildet:

  • Abrollbehälter Rüst/Gefahrgut
  • Abrollbehälter Schaum 4000 l
  • Abrollbehälter SW 1000 / Strom 80 kVA
  • 2 Arbeitsfahrzeuge auf Basis VW T5
  • 3 Vorauslöschfahrzeuge als Elektrofahrzeuge

Auch die Sicherheitszentrale der Werksicherheit wurde 2006 umgebaut und die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Alarmmeldungen von über 200 verschiedenen Werkhallen der Audi laufen hier zentral ein.

Das rasante Wachstum fordert auch immer neue Flächen für die Produktion, die Entwicklung und den Vertrieb von neuen Audi-Modellen. Die Werkgröße in Ingolstadt wuchs inzwischen auf zirka 2 Millionen Quadratmeter an, mit einer Bebauungsdichte von fast 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Grundfläche des Fürstentum Monaco beträgt „nur“ 1.8 Millionen Quadratmeter. Um diese hochwertigen Gebäude und Anlagen ausreichend zu schützen, ist auch ein ausreichender Gebäudebrandschutz notwendig. Eine Brandmeldeanlage mit über 30.000 automatischen Meldern und eine flächendeckende Sprinkleranlage schützen das Werk flächendeckend. Wasserempfindliche, hochwertige Anlagen werden von über 300 CO2-Löschanlagen gesichert, und für den Rauchabzug in einem Brandfall sorgen ebenfalls flächendeckend Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. Für den sofortigen Ersteinsatz stehen über 15.000 Feuerlöscher zur Verfügung, und jährlich werden 3500 „Werker‘“ an der Handhabung von Feuerlöschern ausgebildet. Alle Brandschutztechnischen Einrichtungen unterliegen auch gesetzlichen Wartungs- und Prüffristen. In der einsatzfreien Zeit werden diese Prüfungen von der Werkfeuerwehr durchgeführt.

Aber eine umfangreiche Technik alleine macht es nicht aus: Auch die Einsatztaktik und die Ausbildung müssen ständig den Anforderungen eines modernen Industriebrandschutzes angepasst werden. Hier spielt vor allem der einzelne Feuerwehrmann als Mensch die größte Rolle. Der Feuerwehrmann muss professionell aus- und fortgebildet werden. Auf Aus- und Weiterbildung wird bei der Werkfeuerwehr der AUDI AG größter Wert gelegt: Jeder Feuerwehrmann leistet im Jahr mindestens 160 Ausbildungsstunden, die Führungskräfte sind als Hauptbrandmeister oder Brandinspektoren ausgebildet. Für spezielle Einsatzgebiete werden eigene Lehrgänge und Seminare angeboten. Vor allem auf diesem Gebiet besteht eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr Ingolstadt und anderen Feuerwehren.

Die Einsätze der Werkfeuerwehr pendeln sich derzeit bei ca. 1600 Einsätzen pro Jahr ein. Hierbei liegt allerdings die Alarmschwelle sehr hoch. Das Motto der Werkfeuerwehr lautet: „Brandbekämpfung in der Entstehungsphase“. Denn wenn ein Schadensfeuer erst einmal eine bestimmte Größe erreicht hat, ist es sehr schwierig, den Brand mitten in einer Industrieanlage wieder unter Kontrolle zu bringen. In 3 bis 5 Minuten können die Feuerwehrmänner an jedem Ort auf dem Werkgelände sein. Diese Vorgehensweise hat sich – nach dem folgenschweren Großbrand von 1969 – bis heute bewährt.